Die Gewohnheit, den Mai der Mutter Gottes zu widmen, reicht bis ins Mittelalter zurück, entwickelte sich jedoch besonders im 18. Jahrhundert in Italien, wo sie zur Form der öffentlichen Volksfrömmigkeit wurde. Papst Pius VII genehmigte die Maiandachten offiziell im 19. Jahrhundert, was zu ihrer Verbreitung in der gesamten katholischen Kirche als „Marienmonat“ beitrug.
Im Mai versammeln sich die Gläubigen zu Maiandachten, deren Mittelpunkt der Gesang der Lauretanischen Litanei ist – ein marianisches Gebet aus dem Heiligtum in Loreto in Italien. Diese Litanei erschien erstmals 1572 in Florenz gedruckt mit 43 Anrufungen. Erstmals wurde sie 1581 in offiziellen Kirchenurkunden in der Bulle „Redituri“ von Papst Sixtus V erwähnt, der zu ihrem Beten aufrief und dafür einen Ablass von 200 Tagen gewährte. Weitere Ablässe erteilten Pius VII und Pius XI, während Papst Benedikt XIV sie offiziell genehmigte und für den öffentlichen Gottesdienst erlaubte. Die Litanie besteht aus Anrufungen (Titeln), die die Königlichkeit Mariens, ihre Tugenden und ihre Fürsorge für die Gläubigen betonen, was mit biblischen und patristischen Quellen der Mariologie harmoniert.
Maiandachten finden nicht nur in Kirchen, sondern auch an Wegkapellen und Marienfiguren statt. Zu dieser Zeit werden diese Orte mit Blumen geschmückt, erneuert und werden zu Zentren des Gebets der lokalen Gemeinschaften. Oft begleiten sie marianische Lieder.
Das Hauptziel der Maiandacht ist die Verehrung Mariens als Mutter Jesu sowie die Vertiefung der Bindung zu ihr durch Gebet und Reflexion, was zu Christus führt – dem einzigen Mittler und Erlöser. Während der Andacht werden kurze Gelegenheitspredigten gehalten, die helfen, die Bedeutung dieser Praxis besser zu verstehen. Oft werden sie mit Aussetzung des Allerheiligsten Sakraments verbunden.
Die Maiandacht ist eine ausgezeichnete Gelegenheit, die Beziehung zu Maria zu vertiefen und die Bindung zu Gott zu stärken. Maria, als Mutter des treuen Gottesvolkes, führt zum Sohn und weist den Weg zu ihm. Sie ist auch eine Zeit der Anbetung Gottes für die Gaben des Lebens und der Verehrung der Mutter Gottes für ihre mütterliche Fürsorge und Barmherzigkeit.
Die Lauretanische Litanei findet sich auf Seite 566 im Gebetbuch Gotteslob.
Vorschläge für kurze Wallfahrten zu marianischen Stätten in der Umgebung:
- Dörnschlade in Wenden: „Mutter und Zuflucht des Wendener Landes“
- Kohlhagen: „Schmerzhafte Gottesmutter vom Kohlhagen“
- Wallfahrtsbasilika in Werl: „Trösterin der Betrübten“
- Wilnsdorf, Gnadenkapelle Eremitage: „Schmerzhafte Mutter“
Diese Mai-Praktiken, die in der Kirchentradition verwurzelt sind, stärken die authentische marianische Frömmigkeit, harmonisieren sie mit der Liturgie und richten sie auf das Geheimnis Christi aus.