Die Verehrung der Allerheiligsten Jungfrau Maria ist ein sehr wichtiger Teil des Lebens der katholischen Kirche. Je größer und stärker die Kirche ist, desto mehr Ehre erweist sie Maria. Diejenigen, die sich der Lehre der Kirche widersetzen, greifen oft auch Maria an – sie bezweifeln ihre Rolle als Mutter Gottes, ihre Jungfräulichkeit oder ihre Verehrung.
Die Verehrung Marias hängt mit der Verehrung Jesu zusammen. Man kann das eine nicht ohne das andere ehren. Das wichtigste Ereignis der Weltgeschichte ist die Menschwerdung Christi. Maria hat als Werkzeug Gottes eine Schlüsselrolle dabei gespielt. Aus ihr ist der Erlöser geboren worden, auf den die Völker gewartet haben. Die Verehrung der Gottesmutter begann schon im Paradies, als Gott den Kampf der Frau mit der Schlange ankündigte: „Ich will Feindschaft setzen zwischen dir und der Frau, zwischen deinem Nachkommen und ihrem Nachkommen“ (Gen 3,15).
Die Verehrung begann mit den Worten des Engels Gabriel: „Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir!“ (Lk 1,28). Dieses erste Grußwort zeigt den Respekt vor der Mutter des Erlösers. Die Verehrung wuchs mit dem Leben Jesu und nach seinem Tod – als Geschenk für die Kirche.
Frühe Beweise für die Verehrung sind manchmal unsicher, weil sie aus Apokryphen stammen. Aber es gibt auch solide Fakten. Die besten Zeugnisse sind die Katakomben. Dort beteten die Christen in Verfolgungszeiten, lehrten den Glauben und feierten die Eucharistie. Die Wandmalereien zeigen Maria mit dem Jesuskind auf dem Arm – nah bei Christus, als Mutter des Erlösers.
Alte liturgische Bücher zeugen auch von der Verehrung Marias. Es geht um die Liturgien des hl. Petrus, hl. Markus, hl. Jakobus und die syrische. Maria steht darin nah bei Christus – als Vermittlerin und Fürsprecherin:
- In der Liturgie des hl. Petrus: „durch Maria, die Gottesmutter“.
- In der Liturgie des hl. Jakobus: „Gedenken wir der Allerheiligsten und Unbefleckten, unserer Herrin, der Mutter Gottes“.
- In der syrischen Liturgie: „Heilige Maria, bitte für uns Sünder“.
Nach den Verfolgungen (313 n. Chr.) wuchs die Verehrung Marias schnell. Die Kaiserin Helena, Mutter Konstantins, baute drei Kirchen im Heiligen Land. Konstantin weihte Byzanz (Konstantinopel) Maria. Im Westen kam die Verehrung aus den Katakomben in die großen Städte Italiens.
Die Kirchenväter priesen Maria. Sie nannten Sie Vermittlerin, Fürsprecherin, zweite Eva, frei von Sünde, Unbefleckt, allmächtig bei Gott. Der hl. Ephräm lobte sie besonders – daher die Antiphon „Unter deinen Schutz“ und der Ruf „Erlaube mir, dich zu loben, o allerseligste Jungfrau“.
Nach dem Konzil von Ephesus (431 n. Chr.), das den Titel Gottesmutter (Theotokos) bestätigte, wurde Maria noch stärker verehrt. Die Kaiserin Pulcheria baute drei Basiliken in Konstantinopel. Die Kaiser Leon I. und Justinian errichteten reich ausgestattete Tempel in Jerusalem, Alexandria und Karthago. Die Armeen der östlichen Kaiser nahmen ein Bildnis Marias in die Schlachten, um unter ihrem Schutz zu kämpfen.
Nach den Schismen stagnierte die Verehrung im Osten. Das religiöse Leben dort welkte ein, und die Verehrung Marias erstarrte – sie verlor ihren Entwicklungsdrang.
Im Westen blühte die Verehrung auf. Jedes Jahr gab es etwas Neues. Frankreich, Spanien, Portugal, Ungarn und Polen weihten sich der Allerheiligsten Jungfrau. Sie wurde als Königin und Patronin von Völkern, Ständen, Handwerkszünften und Orden anerkannt. Es entstanden neue Orden. Im Mittelalter wurden prächtige Kirchen gebaut. Notre-Dame in Paris, Kathedralen in Reims, Amiens.
Im 13. Jahrhundert wuchsen die Andachten: Stundengebete zum Unbefleckten Empfängnis, Rosenkranz (hl. Dominikus), Skapulier (hl. Simon Stock). Im 16. Jahrhundert begann hl. Philipp Neri die Maiandacht. Im 17. Jahrhundert entstanden marianische Sodalitäten.
Die Verehrung Marias verändert das Leben der Menschen. Sie bittet bei ihrem Sohn um Gnaden und Wunder. Sie ist Vorbild für Reinheit und Leben. Gott gab Sie uns als Ideal: den alten Menschen der Sünde und Begierden ablegen und die Gnade anziehen. In Zeiten moralischer Krise – wenn geistige Schönheit schwindet und Menschen sinnlichen Genüssen nachjagen – wenden wir uns an die Unbefleckte. Möge sie Stütze der Tugenden sein und uns von religiöser Gleichgültigkeit und Verderbnis retten.
Die Verehrung Marias wuchs von den Katakomben über Liturgien und Konzile bis zu mittelalterlichen Kathedralen und Andachten. Sie ist untrennbar mit der Verehrung Christi verbunden und belebt die Kirche. Heute, in einer Welt voller Versuchungen, führt Maria uns zu ihrem Sohn.